Wir helfen

18. 09. 2015, Mitreden!

Tausende sind auf der Flucht, um Krieg und Terrorismus zu entkommen. Mehr und mehr Privatinitiativen kommen Flüchtlingen zu ­Hilfe. Eine Auswahl, stellvertretend für viele andere. Wie man am besten helfen kann: asyl.neos.eu

Markus Unterauer

»Ich engagiere mich mittlerweile sehr intensiv für Flüchtlinge. Vergangenen Herbst habe ich begonnen, auf Facebook und in Blogs gegen die Hetze von Pegida und FPÖ anzuschreiben. In den letzten Monaten wurde aber klar, dass schreiben alleine nicht mehr ausreicht. Die Untätigkeit und Unfähigkeit der Politik zwingt, uns zu handeln. Im Juni und Juli haben wir daher zweimal für die 270 Flüchtlinge aus den Zelten in Linz gegrillt. Ich konnte es damals kaum glauben, dass der Staat diesen Menschen tatsächlich zu wenig zu essen gibt. Mitte August haben wir Lebensmittel, Babysachen und Hygieneartikel nach Traiskirchen gebracht. Hier sind NEOS aus ganz Österreich, aus Wien, der Steiermark und aus Linz zusammengekommen, um ihnen zu helfen. Ohne solche privaten Initiativen würde die Versorgung dort völlig zusammenbrechen. Und Anfang September habe ich Wasser und Babynahrung in den Flüchtlingszügen aus Ungarn verteilt. Das war schon heftig: Hier fahren Menschen in überfüllten Zügen ins Ungewisse. Ich engagiere mich, weil sie unsere Hilfe brauchen. Die Politik versagt, hat Angst und weigert sich auf allen Ebenen. Umso mutiger müssen wir sein. Es sind schließlich Menschen, die vor Krieg und Tod auf der Flucht sind.«

Steffi Krisper

Bei meinem Einsatz als Emergency Coordinator während der Bürgerkriegszeit in Sri Lanka habe ich Flüchtlingslager mit 5.000 Menschen kennen gelernt. Alle Flüchtlinge hatten dort ein Dach über dem Kopf, waren satt und hatten Zugang zu medizinischer Versorgung. Sie wurden in die Organisation des Lagers eingebunden und konnten so ihr Alltagsleben selbst mitgestalten, was ihr Selbstwertgefühl steigerte. In den vergangenen Wochen hatte ich Gelegenheit, das Erstaufnahmezentrum Traiskirchen zu erleben. Dort werden die Menschen zum Nichtstun und zur Lethargie gezwungen. NPOs und privat Engagierten wird der Zugang zum Lager und zu Informationen verweigert, die für gezieltes Helfen notwendig wären. Dieser Zustand ist eine hausgemachte Unmenschlichkeit, eine Schande für die österreichische Politik. Wenn meine Buben am Vormittag im Kindergarten sind, engagiere ich mich vor allem in Traiskirchen. Beim Liefern von Zelten und anderen Bedarfsgütern wurde ich der Willkür der Lagerleitung gewahr, die sogar unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im herbstlichen Wetter aus dem Lager verwies. Eine Odyssee von der Schlange vor dem Lager über den Security-Dienst und der Polizei bis zur Bezirkshauptmannschaft brachte einem 16-jährigen afghanischen Buben wieder einen Lagerplatz, den er verloren hatte, weil er nicht aus seinem Zimmer in ein überfülltes Zelt wechseln wollte. Am nächsten Tag erfuhr ich wieder von drei obdachlosen Minderjährigen – die Arbeit wäre endlos. Es gibt für die Flüchtlingskinder in Traiskirchen keine Betreuung, keinen Ort außerhalb des Lagers, an dem sie durch umsichtige Spielangebote eine Auszeit von ihren dramatischen Erfahrungen (und dem Lager!) erleben können. Auf meine Initiative hin sind jetzt die Roten Nasen vor Ort aktiv. Zusätzlich organisiere ich das Projekt ›smile on the way‹, wofür wir auf der Suche nach Spenden sind. Den Kindern soll im Spiel mit geschulten Therapeut_innen eine seelische Ruhepause ermöglicht werden (siehe www.facebook.com/smileontheway).«

Sepp Schellhorn

NEOS Wirtschaftssprecher und -Hotelier Sepp Schellhorn nahm in einem Gästehaus in Bad Gastein 36 Flüchtlinge auf – und setzte sich damit über massive Widerstände innerhalb seiner Gemeinde hinweg.

»Ich war erschüttert – 36 Männer wurden bei mir abgeliefert, ich musste einen Lieferschein wie bei zehn Kisten Bier unterschreiben – und dann waren wir auf uns gestellt. Unterstützung gab es keine, weder durch Behörden noch NGOs, keine psychologische Betreuung. Die Schutzsuchenden hatten teilweise keine Schuhe an, nur ein Plastiksackerl in der Hand. Zuerst mussten wir eine funktionierende Organisation bilden. Ich habe einen Bürgerrat gegründet, jede Gruppe hat ihren Chef gewählt. Es können ja nicht alle 36 gleichzeitig einkaufen gehen, dann gibt es die nächste Aufregung im Ort. Wichtig ist mir, dass sie sich selbst um ihr Essen, die Einkäufe kümmern müssen – nur so können sie ins Ortsgeschehen eingebunden werden, nur so verhindern wir Isolation. Darüber hinaus bieten wir jetzt regelmäßig Deutschkurse an – und haben mittlerweile auch damit begonnen, sie zu jungen Köchen und Kellnern auszubilden, damit sie möglichst rasch Arbeit finden können, sobald sie Asyl gewährt bekommen.«