Was macht eigentlich … ein Wahlkampfleiter?

29. 02. 2016, Mitreden!

Milo Tesselaar ist für die Kampagne von Bundespräsidentschaftskandidatin Irmgard Griss verantwortlich.

 
InterviewMilo-TesselaarMUT: Was ist zu tun, wenn ein Bundespräsidenti­nnen-Wahlkampf organisiert werden muss?
Milo Tesselaar: In unserem Fall geht es um den Aufbau von Organisationsstrukturen. Das bedeutet von Null weg innerhalb von wenigen Wochen auf mehr als zwanzig Teammitglieder und Freiwillige zu wachsen. Zudem ein Netzwerk an Unterstützern durchs ganze Land aufzubauen. Wir arbeiten an der strategischen Ausrichtung, der Positionierung und der Kommunikation. Dazu an der Umsetzung dessen in den Bereichen Mobilisierung, PR, Redaktion, Digital Campaigning, Fundraising, Personenkomitee. Irmgard Griss hat eine ausgeprägte, eigenständige Meinung und legt sehr viel Wert auf eine verständliche Sprache. Wir arbeiten daran, die jeweiligen Positionen und Themen von Irmgard Griss aufzubereiten und zum richtigen Zeitpunkt zu kommunizieren.

MUT: Irmgard Griss tritt als parteiunabhängige Kandidatin an. Wie leicht oder schwer ist es, jetzt in der Praxis die Unabhängigkeit zu bewahren?
Milo Tesselaar: Frau Griss hat weder formell noch ideell jemals einer Partei angehört, wird auch nie einer Partei angehören und ist eine sehr eigenständige, unabhängige Persönlichkeit. Das Team ist politisch bunt – jede und jeder hat eine eigene politische Meinung oder einen eigenen Background. Diese Vielfalt trägt zur Unabhängigkeit bei.

MUT: Wie läuft die Finanzierung?
Milo Tesselaar: Die Wahlkampagne finanziert sich ausschließlich durch Spenden aus der Bevölkerung. Wir nehmen keine anonymen Spenden und keine Gelder von Parteien als Steuergeld an. Jeder Euro ist öffentlich. Manche potenziellen Spender schreckt das ab, aber wir haben den Anspruch, neue Transparenzstandards zu setzen.

MUT: Gleich nach Bekanntgabe der Kandidatur war die ­Aufmerksamkeit hoch. Wie gut gelingt es jetzt, mit ­Inhalten durchzukommen?
Milo Tesselaar: Ich denke, wir werden nach wie vor gut wahrgenommen. Unsere Strategie wird laufend weiterentwickelt und wir werden unsere Tools und Möglichkeiten nutzen, um in der Öffentlichkeit zu bleiben. Da mache ich mir keine Sorgen.

MUT: Was wird uns in der Kampagne erwarten?
Milo Tesselaar: Wir möchten die Kandidatur und die Kampagne als Beitrag zur Veränderung der politischen Kultur nutzen. Authentizität und damit Ehrlichkeit sind sowohl für Irmgard Griss als auch für mich unumgänglich. Transparenz und Parteiunabhängigkeit sind wichtige Punkte, dazu kommt der Mut, Stellung zu beziehen und in die Politik einzugreifen. Durch ihre Kandidatur hat Irmgard Griss schon für Bewegungen im Kandidatenfeld und damit in der politischen Landschaft in Österreich gesorgt. Das allein ist durchaus schon etwas wert.

MUT: Weil gerade die Großparteien jetzt eher im ­Hintertreffen sind?
Milo Tesselaar: Dazu sage ich nur: Man darf niemanden unterschätzen. Alles ist möglich, alles ist offen. Uns sind Bewegung und eine neue politische Kultur wichtig; wir stellen uns bei allen Entscheidungen die Frage: Wie sieht eine Kampagne aus, die Wert stiftet und eine positive Wirkung hat?

MUT: Und wie sieht so eine ­Kampagne also aus?
Milo Tesselaar: Das kann ich noch nicht verraten. Aber wenn es aufgeht, dann wird man es spüren.