Was lernen Frühkindpädagog_innen?

22. 01. 2015, Mitreden!

Für Elementarpädagog_innen gibt es keine akademische Ausbildung in Österreich. Und die Lehrpläne der Pädagogischen Akademien sehen kaum Pädagogik im Unterricht vor.

Früherziehung ist ein Freigegenstand. Früherziehungspraxis ist eine unverbindliche Übung. Und Pädagogik ist so wichtig wie Religion – beide Fächer nehmen zehn Wochenstunden ein. Wer den Lehrplan der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik liest, gewinnt den Eindruck, dass Frühpädagog_innen nach der Ausbildung Flöte spielen und basteln können, aber nicht gerade viel über den Umgang mit Kindern gelernt haben.

Raphaela Keller, Vorsitzende des Berufsverbands der Kindergarten- und Hortpädagog_innen, seufzt: »Der Lehrplan ist hoffnungslos veraltet. Wir fordern seit Jahren eine  Professionalisierung der Elementarpädagogik.« Ihr zentrales Argument: Die Früherkennung von Begabungen oder Problemen ist die Grundlage für gezielte Förderung im weiteren Bildungsverlauf. Derzeit werden Frühkindpädagog_innen aber kaum auf diese Aufgaben vorbereitet. »Kleinkinder werden in Österreich immer noch als Anhängsel der Familie gesehen und nicht als eigenständige Personen. Deshalb stehen in diesem Alter Fürsorge und Betreuung statt Bildung und Förderung im Vordergrund.« Eine moderne Elementarpädagogik-Ausbildung sollte beides abdecken und beste Voraussetzungen für den Umgang mit Kindern schaffen. »Aber für die notwendigen Entscheidungen fehlt es an fähigen und mutigen Politikern«, meint Keller.

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Beate Meinl-Reisinger

Beate Meinl-Reisinger

NEOS Familiensprecherin

Ein Kindergarten ist eine Bildungseinrichtung und keine Aufbewahrungsstätte. Diese Erkenntnis ist in der heimischen Politik noch nicht zur Gänze angekommen. Anders ist es nicht zu erklären, dass die sogenannte Frühkindpädagogik in zwei Ministerien (Bildungsministerium und Familienministerium) angesiedelt ist und je nach Thema entweder Bund, Länder oder Gemeinden zuständig sind. Es herrscht ein Kompetenz-Wirrwarr – einheitliche Qualitätsstandards sind damit Wunschtraum. Was ist zu tun: Als erste Bildungseinrichtungen gehören Kindergärten und Frühkindpädagogik auch im Bildungsministerium angesiedelt. Dazu fordern wir klare Kompetenzen auf Minister_innenebene und eine klare Kompetenz des Bundes in der Grundsatzgesetzgebung für Hort- und Kindergartenwesen.

Reformen sind auch im Bereich der Ausbildung dringend notwendig. Wir müssen die Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik zu Berufsbildenden Höheren Schulen für den Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich aufwerten, die viele Berufsmöglichkeiten bieten. Die elementarpädagogische Fachausbildung muss dann im tertiären Bereich erfolgen. Bisher beenden Pädagoginnen und Pädagogen mit 19 ihre Ausbildung – mehr als 40 Prozent entscheiden sich dann aber für eine andere Berufslaufbahn. Hier gehört gegengesteuert.

Fünf anstehende Herausforderungen samt zehn möglichen Lösungsansätzen haben wir in einer Broschüre herausgearbeitet. Sie finden diese online.