Pionierpotenzial

23. 01. 2015, Mitreden!

Steuereinnahmen, Sozialversicherungsabgaben, Pensionsauszahlungen – alle Prognosen zum Finanzhaushalt des Staates gehen von Wachstumsraten aus, die immer wieder nach unten revidiert werden müssen. Investitionsprogramme, Steuerreformen oder Förderungen sollen dabei Abhilfe schaffen. Für Unternehmer_innen, die für dieses Wachstum sorgen sollten, ändert sich aber nicht viel: Sie sind immer noch mit Auflagen, Abgaben und mit Unverständnis gegenüber unternehmerischen Lebensentwürfen konfrontiert. MUT hat drei Gründerinnen zur Diskussion gebeten.

Moderation: Bastian Kellhofer
Fotos: Tom Linecker

Das sind jetzt keine Neuigkeiten, aber Europas Wirtschaft geht es nicht gut. Das BIP der Eurozone wird auch heuer wieder nur minimal wachsen, um etwa ein halbes Prozent. Was schafft da Abhilfe? Zurück mit dem produzierenden Gewerbe in die ehemaligen Industriezentren? Subventionen für das Altbewährte: Kohleabbau, Nähstuben und Autozulieferer oder die Stützung der Internet-Industrie, die laut Boston Consulting Group jährlich um acht Prozent wächst? Die Tage, in denen Regierungen oder große Konzerne für Wachstum und Arbeit sorgten, sind jedenfalls vorbei. Heute sind es die kleinen Unternehmen, die Jobs ausschreiben und für Wertschöpfungsketten sorgen. Die agilen Kreativbüros und All-in-one-Produzent_innen sorgen längst für einen Umsatz um die 20 Milliarden Euro pro Jahr und bilden gemeinsam mit den EPUs anderer Branchen das Rückgrat der heimischen Wirtschaft.

Gerade sie sind es aber auch, die von keiner Organisation tatsächlich vertreten werden, die jede Steuerreform oder jedes halbe Prozent Sozialversicherungsbeitrag direkt in der eigenen Tasche spüren. Sie müssen sich heute mit einer Wirtschaftsordnung auseinandersetzen, die für eine Welt von gestern gemacht war. – Wir haben drei Gründerinnen an einen Tisch gebeten und über die alltäglichen Herausforderungen gesprochen.

MUT: Die schwierigste Frage zuerst: Was funktioniert denn richtig gut in Österreich?

Stefanie Pingitzer: Die Förderlandschaft ist wunderbar. Austria Wirtschaftsservice, FFG und alle anderen Einrichtungen brauchen sich international überhaupt nicht zu verstecken, haben sogar Vorbildcharakter. Auf die Anlaufstellen kann man sich in den ersten schwierigen Jahren verlassen.

Verena Nowotny: Was auch passt, ist die Infrastruktur. Ich bin viel im Ausland unterwegs und es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ich nun von Wien losfliege oder von Düsseldorf aus. Man kommt viel besser weg von hier. Auch die Büroinfrastruktur ist mittlerweile gelungen. Die Coworking Spaces tragen einen wichtigen Teil zur Entstehung einer Startup-Szene bei. Dort entstehen Netzwerke und ein reger Austausch unter jungen Menschen, die etwas bewegen wollen.

Fabienne Feltus: Ich hab mich zuerst als Grafikdesignerin selbstständig gemacht. Und zwar von zu Hause aus. Ich hab nicht mehr gebraucht als meinen Laptop und eine solide Unterlage dafür. Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, dass ich mich irgendwo in einem Coworking Space angemeldet hätte. Jetzt habe ich ein Gassenlokal und bin präsent in der Szene. Das hätte ich früher machen können. Für das Illustratorennetzwerk habe ich dann auch eine Förderung von Departure bekommen.
Ich finde das Land hat auch Pionierpotenzial. In Paris, Berlin oder London gibt es einfach schon alles. Hier kann man mit einer netten Idee frischen Wind in die Szenerie bringen.

Pingitzer: Wir dürfen die Lebensqualität nicht vergessen. Das ist auch ein Anreiz für Unternehmer, hierherzukommen, wenn denn die anderen Rahmenbedingungen nachziehen und Österreich auch unternehmerische Lebensqualität bietet.

Das sind eine Menge guter Ansätze. Trotzdem hinkt ­Österreich – bei allen Jubelmeldungen in der letzten Zeit – im inter­nationalen Vergleich in puncto Unternehmer_innenkultur brutal hinterher. Warum ist das eigentlich so? 

Unternehmerinnen4Verena Nowotny ist Partnerin bei Gaisberg Consulting und hat zahlreiche Krisenfälle als Sprecherin und Krisenmanagerin in Unternehmen und im öffentlichen Bereich betreut, u.a. die Tsunami-Katastrophe 2004. Verena Nowotny war langjährige außenpolitische Pressesprecherin des früheren Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel und danach bis 2011 in Shanghai und New York tätig. Seither unterstützt sie Unternehmen und Institutionen in Krisenkommunikation und Positionierung.
Nowotny: Mich erschreckt es, wenn ich mit Studenten spreche und feststelle, dass viele von einer abgesicherten Beamtenlaufbahn oder einem sattelfesten Angestelltenverhältnis träumen. Unternehmertum kommt nicht einmal ansatzweise in den Planungen der meisten vor. Es muss ja nicht jeder Unternehmer werden, aber dort brauchen wir ein wenig mehr Engagement. Es mag an der Wirtschaftskrise liegen, dass Risikobereitschaft, die jeder Unternehmer mitbringen muss, weniger wertgeschätzt wird, als es nötig wäre. Österreich denkt bei Unternehmerinnen und Unternehmern gleich an die bösen Ausbeuter, Kapitalisten, Fabrikbesitzer und nicht an kleine Projekte, bei denen Menschen eine eigene Idee umsetzen wollen.

Feltus: Ich merke dieses Unverständnis sogar in meinem Freundeskreis. Wenn ich zum Beispiel sage, dass ich auf keinen Fall krank werden darf, runzeln viele die Stirn. Die verstehen nicht, dass ich alles im Unternehmen bin: von der Putzfrau über die Sekretärin bis zur Chefin. Wenn ich ausfalle, geht nichts weiter. Warum ich mir das antue, verstehen die wenigsten.

Pingitzer: Es ist nicht hip und en vogue, ein Unternehmen zu gründen. Dieses Mindset wird schon in den Schulen festgezurrt. Da werden Polizeistation und Feuerwehr besucht, aber keine erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmer. Es würde viel bewirken, wenn man den Mut bei den Kindern bereits fördern und ihnen das Einmaleins des unternehmerischen Denkens früh beibringen würde.
Die Universitäten sind dann die logische Weiterentwicklung dieses Missstandes. Wir sind hier in Österreich richtig gut in der Grundlagenforschung. Aber angewandte Forschung oder die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen und Innovationen werden vernachlässigt. Es gibt kaum sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Universitäten. So bleibt viel Potenzial liegen.
Wenn große Unternehmen wie ÖBB oder Telekom einen Startup-Campus aufsetzen, ist das auch nicht ganz optimal, weil die Konzerne die Unternehmen zu nah an sich heranziehen. In London läuft das so, dass viele Unternehmen gemeinsam in einen Topf einzahlen und einen Accelerator gründen. Dort sitzen dann auch Leute, die wissen, was sie tun, wie sie Startups beraten und selbst schon gegründet haben. Wenn jemand zehn Jahre oder zwanzig in einem Unternehmen sitzt, versteht er die Probleme und Denkweisen eines Gründers nicht.

Es scheint ein gesellschaftliches Problem zu sein, dass sich bis in die unteren Ebenen der Institutionen durchschlägt. Weshalb werden die Anliegen der Unternehmerinnen und Unternehmer nicht wahrgenommen und verstanden?

Nowotny: In Österreich, eigentlich in ganz Europa, gibt es dieses typische Silodenken. Silos kommunizieren nicht miteinander: Da ist die Verwaltung, dort sind die Big Player, hier die Startups und ganz woanders sind die Universitäten. Hier muss es zu einer Verzahnung kommen. Ich hatte einen völlig atypischen Karriereverlauf. Ich war in der Verwaltung, in der Politik, bin in die Privatwirtschaft gewechselt, wieder zurück in die Politik und habe mich jetzt selbstständig gemacht. Das wird furchtbar mit meiner Pension werden. Aber es muss einen regen und dauerhaften Austausch zwischen den Silos geben. Dann kann in Österreich einiges passieren, denn die Substanz haben wir.

In den USA sind Startups die treibende Wirtschaftskraft. Sie stellen die meisten Arbeitsplätze zur Verfügung und tragen Jahr für Jahr mehr zum BIP bei. Wie kommt man in Österreich zu dieser Einstellung?

Nowotny: Wir brauchen Helden wie Business Angel Hansi Hansmann, Andreas Tschas, der das Pioneers Festival leitet, Florian Gschwandtner von Runtastic und Ali Mahlodji von Whatchado. Sympathische Typen mit sympathischen Geschichten, die zeigen, dass auch in Österreich internationale Erfolge möglich sind.

Pingitzer: Unternehmerische Bildung an den Schulen ist ein weiterer wichtiger Punkt. In unserem Schulsystem muss man sich fügen, man muss hineinpassen, gehorchen. Etwas um die Ecke zu denken ist in unseren Schulen nicht angebracht.

Unternehmerinnen6Fabienne Feltus, geboren und aufgewachsen in Luxemburg, studierte Grafikdesign an der Universität für angewandte Kunst Wien. Danach holte sie die Agentur Kesselskramer als Art Direktorin nach Amsterdam. Doch die Sehnsucht brachte sie zurück nach Wien, wo sie seit 2011 als selbstständige Designerin und Illustratorin arbeitet. Zudem arbeitet sie als Agentin für andere Illustrator_innen und organisiert in unregelmäßigen Abständen den »Lieblingsflohmarkt«.
Feltus: Die Elterngeneration spielt eine große Rolle. Es heißt doch immer: Such dir einen sicheren Job, Kind. Lass dich nieder. Für mich war immer klar, dass ich mein eigenes Ding durchziehen wollte. Natürlich ist es nicht einfach. In der Universität, gerade in schöngeistigen Bereichen wie der Kunst, wird dir nicht beigebracht, wie der Hase im Business läuft. Viele wagen es dann gar nicht, über den Tellerrand zu blicken und auszubrechen.

Wie sollte eine politische Vertretung für die Entrepreneure denn bestenfalls aussehen?  

Feltus: Ich finde sehr gut, was Marcus Arige und die INW (Initiative Neue Wirtschaft) machen. Da treffen sich jeden dritten Dienstag im Monat Unternehmer aus der Kreativwirtschaft und tauschen sich über Schwierigkeiten und Lösungsansätze aus. So entsteht ein schlagkräftiges Netzwerk, in dem jeder jeden unterstützt. Wenn zum Beispiel ein Apotheker auch Kaffee ausschenken möchte und dann dafür sechs verschiedene Gewerbescheine braucht, helfen ihm erfahrene Gründer weiter. Man kommt immer mehr drauf, dass das System furchtbar veraltet ist. Wenn ich als Grafikdesignerin Postkarten verkaufen möchte, brauche ich auch ein Handelsgewerbe. Das ist erstens umständlich und zweitens sind das unnötige Kosten, die Jahr für Jahr anfallen.

Nowotny: Ich sehe das Problem der klassischen Vertretungen vor allem in der Diversifizierung der Mitglieder. Ein Konzern wie die Voest braucht eine andere Vertretung als ein EPU. Denn einem Einzelunternehmer sind Lohnnebenkosten ziemlich egal, weil er keine Angestellten hat. Für die gesamte Wirtschaft ist das aber sehr wohl ein Thema. Wir brauchen ein breiter aufgestelltes Angebot der Vertretungen. Die Wirtschaft, die Unternehmer gibt es nicht mehr. Das ist keine homogene Gruppe.

Unternehmerinnen2Stefanie Pingitzer ist die Gründerin und Geschäftsführerin von »LilO the entrepreneur boutique«, einer unternehmerisch geführten Investmentboutique, die sich auf Merger & Acquisitions und die strategische Beratung von Klein- und Mittelstandsunternehmen spezialisiert hat. Der Firmenname steht als Abkürzung für »Loving Initiatives + Living Opportunities«. LilO unterstützt Unternehmen bei der Suche nach Business Angels und institutionellen und strategischen Investor_innen.
Pingitzer: Ich war lange bei einer Vertretung in Brüssel für die Pharmaindustrie. Dabei habe ich eines gelernt: Die großen Konzerne haben ohnehin eine Lobby, die für sie bei der Kommission Stimmung macht. Das fehlt den kleinen und mittelständischen Unternehmen, obwohl sie die wichtigste Stütze der Volkswirtschaft sind. Da hilft auch eine Alibi-Vertretung mit Zwangsmitgliedschaft nichts. Ich bin für eine Abschaffung. Es braucht Raum für neue Organisationen und neue Ideen.

Haben Ansätze wie die vieldiskutierte GmbH light ­wegweisende Lösungen geliefert? 

Feltus: In meinem Fall hängt alles an mir. Ich bezahle Sozialversicherung, dann noch Zusatzversicherungen, falls ich doch einmal vom Stuhl falle und mir den Arm breche, um einen Tagessatz zu bekommen. Da fallen Monat für Monat irrsinnige Kosten an. Ich überlege schon, eine GmbH light zu gründen, um aus der Haftung zu kommen. Aber das bringt auch wieder neue Nachteile. Es scheint keinen klaren, richtigen Weg für Gründer zu geben. Keinen Plan, an dem man sich orientieren kann.

Pingitzer: Richtig. Bei der gründungsprivilegierten GmbH, wie das jetzt heißt, entstehen wieder neue Nachteile für den geschäftsführenden Gesellschafter. Der einzige Vorteil dieser GmbH light ist, dass die 35.000 Euro Stammkapital erst in zehn Jahren eingebracht werden müssen – das ist eine Augenwischerei. Wir müssen das von Grund auf neu angehen. Wenn Business Angels Geld in ein Startup investieren, können sie Gewinne nicht mit Verlusten gegenrechnen – absurd. Wir brauchen Investitionsfreibeträge für Investoren. In England funktioniert das super. Hier ist jetzt mit der Steuerreform ein Fenster offen. Das müssen wir nutzen. Auch die Möglichkeit, Mitgründer am Unternehmen zu beteiligen, muss verbessert werden. Das Stock Option Programm ist unternehmerfeindlich: Eine Beteiligung eines Mitarbeiters wird sofort steuerlich schlagend, selbst wenn sich die Beteiligung erst in ein paar Jahren rechnet.

Nowotny: Meine Konstellation funktioniert so: Ich bin ein EPU, halte aber Anteile an der Gesellschaft. Ich bin in einem angenehmen Netz. Ich kann auf Urlaub gehen. Ich kann mit dem Faktum leben, dass ich, wenn ich mehr verdiene, auch mehr Steuern zahle. Ich habe lange genug in der Politik gearbeitet, um zu wissen, dass wir diesen Sozialstaat irgendwie refinanzieren müssen. Was mich aber wirklich aufregt, ist die Sozialversicherung. Es kann doch nicht sein, dass mein Knie mehr wert ist das Knie eines Angestellten. Das ist obszön, vor allem auch die Gnadenlosigkeit, mit der die Fehlbeträge eingetrieben werden. Ich bin ein rationaler, logisch denkender Mensch und dieser Irrsinn geht mir einfach nicht rein. Ich kenn keinen Unternehmer, der nicht über die Sozialversicherung klagt.

Die Abgabenquote hemmt die Bereitschaft, Leute ­einzustellen. Wobei ja gerade die Kreativwirtschaft mehr und mehr zum Wirtschaftsmotor wird. 

Pingitzer: Viele können es sich nicht mehr leisten, Leute einzustellen. Dann arbeitet man eben über Subunternehmer. Ich versuche selbst, die Mitarbeiterzahl gering zu halten und bei größeren Mandaten temporär aufzustocken. Um diesem Trend entgegenzuwirken, müssen entweder die Arbeitsbedingungen für die Subunternehmer verbessert werden oder die Lohnnebenkosten gesenkt werden. Wenn man Leute ausbildet, dann muss das gefördert werden. Da rede ich nicht nur von Lehrlingen, sondern Weiterbildung auf allen Ebenen.

Feltus: Eine Anstellung in der Kreativbranche ist heute schon eine Utopie. Ein freier Dienstnehmervertrag ist das Nonplusultra. Dann hat man zwar bezahlten Urlaub und ein regelmäßiges Einkommen, aber im Grunde ist das auch schwer illegal.

Nowotny: Ich will in meinem Unternehmen eine flache Struktur. Ich finde es sehr anregend, wenn Spezialisten aus den verschiedensten Branchen zusammenkommen. Die Erwartungen der Angestellten haben sich auch verändert. Man wird ja als Arbeitgeber schief angeschaut, wenn man ihnen nicht anbietet, von zu Hause aus zu arbeiten. Ich fördere das auch konsequent. Ich will ja keine Angestellten, die im Büro die Stunden absitzen und Solitär spielen. Es geht darum, Jobs gut abzuschließen. Eigenverantwortung ist das Wichtigste. Wir nehmen viel Geld in die Hand, um unseren Mitarbeitern Entwicklungsperspektiven zu ermöglichen. Wir wollen ja auch nicht, dass sie nach einem Jahr wieder den Hut nehmen, sondern sie behutsam aufbauen. 

Feltus: In Holland habe ich ein interessantes Beispiel erlebt. Dort habe ich zwei Jahre gearbeitet. Männer arbeiten dort nur vier Tage in der Woche, wenn sie Kinder haben, die Frauen auch. Das ist einfach so, weil die Kitas so teuer sind, dass es anders gar nicht möglich ist. Fünf Tage kann man sich diese Leistung nicht leisten. Und das funktioniert wunderbar. Hier glaubt man, dass man fünf Tage von morgens bis abends am Schreibtisch sitzen muss, um die volle Leistung zu bringen, wobei das völliger Nonsense ist.

Pingitzer: Bei uns gibt es auch komplette Flexibilität. Wer wann wo arbeitet, ist mir so was von egal. Hauptsache, das Ergebnis stimmt. Wenn ich Bankangestellte in einer Filiale sehe, die ihre Zeit totsitzen und in die Luft starren, dann wundere ich mich schon, warum das Angestelltenverhältnis in diesem Land als heilige Kuh behandelt wird.

AngelikaMlinarAngelika Mlinar
NEOS Europaabgeordnete

In den vergangenen Jahren wurde viel über Gleichberechtigung, Gleichbehandlung und Quotenregelungen diskutiert. Auch wenn schon viel passiert ist – es sind immer noch oft Männer, die Führungspositionen für sich beanspruchen. In meiner politischen Arbeit geht es vor allem um eines: Chancengerechtigkeit. Das ist mein zentraler Punkt in all diesen wichtigen und richtigen Debatten. Mehr als die Hälfte der EU-Bevölkerung ist weiblich, dennoch sind Frauen als Unternehmerinnen leider stark unterrepräsentiert. Ich möchte Möglichkeiten schaffen, Frauen mehr in den öffentlichen Blickpunkt zu rücken. Wir müssen früh damit anfangen, jungen Mädchen Chancen in der Arbeitswelt aufzuzeigen. Ich stimme zu: Nicht mehr nur Polizist_innen, Lehrer_innen etc. sollen Wunschjobs der Jungen sein, wir müssen die kreativen Seiten und Ideen von Kindern fördern, um ihnen Zukunfts-
chancen auch als Selbstständige zu ermöglichen. ­Erfüllen wir unsere Vorbildfunktion und wirken wir traditionellen Geschlechterrollen im Beruf entgegen. Auch möchte ich noch auf die aktuell erschreckenden Arbeitslosenzahlen hinweisen: Wenn die Rahmenbedingungen für Frauen verbessert werden, bringt das Wachstum und Jobs in Österreich und in der EU!

***

Niko Alm

Niko Alm

NEOS EPU- und KMU-Sprecher

Mehr Unternehmensgründungen, mehr Start-Ups in Österreich – das ist eines unserer Kernanliegen. Abgesehen davon, dass es dafür mehr Mut zu Unternehmer_innentum braucht, braucht es auf der anderen Seite aber auch das notwendige Risikokapital. Investor_innen tragen dabei oft nicht nur einen Teil des Risikos, sondern bringen sich auch mit ihrer Erfahrung ein. Sie bringen »Smart Money«. Es ist an der Zeit, privates Investment zu stimulieren. Nur so entstehen neue Unterneh­men, die Produkte zur Marktreife bringen und damit für Innovation und Beschäftigung sorgen.

NEOS setzt auf unterschiedliche Maßnahmen, um Start­-Ups in Österreich zu fördern. Dazu zählt neben Steuerbegünstigungen für Investitionen auch die Möglichkeit eines echten Steuernachlasses von 50 Prozent des Investments bis zu einer Höhe von 100.000 Euro (nach britischem Vorbild) bzw. eines Realwirtschaftsinvestitionsfreibetrags in Höhe von 100.000 Euro bei jungen Unternehmen. Auch Stiftungen und institutionelle Investoren sollen in Start­-Ups investieren dürfen. Zuletzt sind wir überzeugt, dass auch Crowdinvestment und Crowdfunding als alternative Finanzierungsformen Fuß fassen werden. Noch fehlen dazu die rechtlichen Rahmenbedingungen.