Orchideenfach Unternehmer_in

22. 01. 2015, Mitreden!

Wo lernt man, Unternehmer_in zu sein? An der Schule ist unternehmerische Praxis Freigegenstand und in der Realität dann ein Hindernislauf. 

Schulen haben zu wenig Geld, Schüler_innen sind überfordert und Lehrer_innen finden ohnehin keine Zeit für Weiterbildung. Trotzdem wird auch immer wieder diskutiert, was Schulen noch zusätzlich leisten sollten. Dauerbrenner dabei sind Technik- und Medienkompetenzen, politische Bildung und unternehmerisches Grundwissen. Wirtschaftswissen ist nicht Teil der Allgemeinbildung, wenn man den traditionellen AHS-Lehrplänen folgt. Folgt man dagegen Denkern wie dem Wirtschaftspublizisten Wolf Lotter, dann ist Wirtschaftswissen eine der wichtigsten Grundlagen für mündige Menschen in der Gegenwart: »Kapitalismus ist Bürgerpflicht«, heißt es kämpferisch in seinem 2013 veröffentlichten Buch »Zivilkapitalismus«.

Wirtschaftswissen und Unternehmer_innentum sind in Österreich Orchideenfächer. Der »Unternehmerführerschein«, eine Initiative der Wirtschaftskammer, findet seinen Platz nur als Freigegenstand in den Schulen. Planspiele und Unternehmenssimulationen sind freiwillige Übungen mit geringem Glamour-Faktor. Und der Übergang von Unternehmens-Experimenten in der Schule zu realen Unternehmen ist alles andere als fließend: Gewerbeordnung, Grundumlagen der Wirtschaftskammer und Mindestbeitragsgrundlagen der Sozialversicherung lassen wenig Spielraum für Trial & Error in der Unternehmensgründung. Die Konsequenz: Unternehmer_innen sollten können, was sie nie gelernt haben. – Was dann auch wieder am praktischen Stellenwert der schulischen Bildung kratzt.

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