Opposite the Editorial: Mehr Schulautonomie kann Österreich weiterbringen

23. 01. 2015, Mitreden!

Die letzten zwanzig Jahre der Bildungspolitik haben Fragen wie die Gesamtschule, Ganztagsschule und andere Organisationsformen beherrscht. Verschärft wird die Situation natürlich auch noch durch die Folgen der Immigration. Schon in den Primärschulen müssen für diese Vielsprachigkeit Lösungen gefunden werden. Die eigentliche Rolle kommt hier den Lehrerinnen und Lehrern zu, wobei eine Diskussion darüber, was Lehrer sein heute bedeutet, nie so richtig stattgefunden hat. Es kommen dazu noch gesellschaftliche Veränderungen. So wurde vor dem Hintergrund der Familien und Beziehungssituationen der Lehrerberuf ein Frauenberuf. Aber es wäre schon ganz gut, wenn auch Männer im Lehrberuf wieder stärker vertreten wären.

Lebenslänglich Lehrer?

Ein noch entscheidenderes Problem ist allerdings die Tatsache, dass es immer noch heißt: einmal Lehrer – immer Lehrer! Die Durchlässigkeit in den und aus dem Lehrerberuf existiert nicht. Es müssen Möglichkeiten geschaffen werden, aus anderen Berufen Lehrerinnen und Lehrer zu gewinnen bzw. es ihnen zu ermöglichen, auch wieder in andere Berufe zu gehen. Gerade hier habe ich für das »Burnout«-Syndrom vollstes Verständnis. Das Tempo unserer Zeit, die Aggressivität der Lebensäußerungen und nicht zuletzt die erhöhten Ansprüche im technischen Bereich führen dazu, dass man das in vielen Fällen nicht sein ganzes Leben lang Lehrer sein kann.

Die ewige Klage, die mit der PISA-Bewertung verbunden letztlich in der Feststellung gelandet ist, dass 25 % der Schülerinnen und Schüler aus der Primärstufe des Schulwesens mit mangelnden Kenntnissen von Lesen, Schreiben und Rechnen herauskommen, macht mich auch skeptisch gegenüber der Gesamtschule, denn die Volksschule ist eine Gesamtschule. Wahrscheinlich geht es nicht um die Organisationsform, sondern um die Investition von mehr Personalkapazität, damit es auch die entsprechende Zuwendung gibt, die mehr und mehr im familiären Bereich verlorengeht.

Autonomie schafft Spielraum – und Qualität

Was hat das alles mit der Schulautonomie zu tun? Sehr viel, denn sie ist die Voraussetzung dafür, dass wir Faktoren entwickeln können, die auf die heranzubildenden jungen Menschen eingehen. Man kann etwa im überschaubaren Bereich feststellen, bei welchen Lehrerinnen und Lehrern mehr Weiterbildung erforderlich ist. Man kann feststellen, welche Faktoren im Bereich einer Klasse oder Schule verstärkt werden müssen, um Mängel auszugleichen und wo besondere Begabungen vorhanden sind, die genutzt werden können. Man erzielt eine Beweglichkeit, um die vorhandenen Qualitäten auszunutzen bzw. auch nach neuen zu suchen. Und letztlich erzielt man damit eine höhere Verantwortlichkeit der Lehrer, die schließlich auch einen anregenden Charakter hat, denn dann ist im überschaubaren Bereich auch »Wettbewerb« möglich, nämlich um festzustellen, wie auch noch mehr Qualität erzielt werden kann. Das hat aber nicht nur eine Bedeutung für jede einzelne Schule, sondern auch im Verhältnis der Bildungseinrichtungen zueinander.

Die Bildungsdiskussion bleibt uns erhalten und ist mindestens ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger als die leidige Frage, wie sicher unsere Pensionen sind. Bildung bedeutet nämlich Zukunft!  

Der Text ist eine gekürzte Fassung von Erhard Buseks Beitrag zum Sammelband »Die mündige Schule«, der im Mai erscheint. www.talentebluehen.at