„Mehr Männer in den Kindergarten“

04. 12. 2014, Mitreden!

Familienministerin Sophie Karmasin im Interview über Kindergärten und Elementarpädagogik.

MUT: Im internationalen Vergleich schneidet Österreich bei der Ausbildung und Bezahlung von Kindergartenpädagog_Innen nicht gut ab – warum bekommen Menschen in diesem so wichtigen Beruf so wenig Wertschätzung?

2014-05-15_mm_SophieKarmasin_christiianjungwirth.comSophie Karmasin: An der Wertschätzung des Berufsstandes der Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen müssen wir arbeiten. Die mehr als 40.000 Frauen und Männer, die in den österreichischen Krippen und Kindergärten arbeiten, leisten tagtäglich großartige Arbeit. Die Wertschätzung einer Berufsgruppe drückt sich aber nicht nur in der Bezahlung aus. Wobei man hier schon sehen muss, dass die Einstiegsgehälter von Kindergartenpädagogen und Kindergartenpädagoginnen in einigen Bundesländern mit etwas mehr als € 2.000,- brutto monatlich über jenen vieler Jungakademiker_innen liegen. Das Problem liegt eher daran, dass viele Pädagog_innen keine Vollzeitstelle bekommen. Durch die Ausbauoffensive der Kinderbetreuung, die gerade anläuft, werden wir aber viel mehr Personal brauchen und daher auch mehr Vollzeitstellen anbieten können. Was die Ausbildung betrifft, ist diese durchaus vergleichbar mit anderen europäischen Ländern wie Deutschland und Frankreich. Was die Weiterentwicklung der Lehrpläne der BAKIPs angeht, bin ich mit meiner Kollegin Heinisch-Hosek im Gespräch. Auch ist mir wichtig, dass wir mehr Weiterbildungsangebote auf akademischer Ebene anbieten können.

Warum gibt es keine einheitlichen Qualitätsstandards für Betreuungseinrichtungen in Österreich?

Ich glaube, dass der bundeseinheitliche BildungsRahmenPlan, der Bildungsplan für das verpflichtende Kindergartenjahr, sowie die Kinderbildungs- und -betreuungsgesetze sowie Bildungspläne der Bundesländer ein gutes Fundament für die elementarpädagogische Förderung unserer Kinder bilden. Um die Rahmenbedingungen für die Umsetzung dieser Arbeit bundesweit zu verbessern, stellen wir erstmals Bundesmittel nicht nur für mehr Betreuungsplätze, sondern auch für mehr Qualität bei den Plätzen zur Verfügung. Ab 2014 werden Bundesmittel in die Verbesserung der Betreuungsschlüssel (1:4 bei unter 3-Jährigen und 1:10 bei 3- bis 6-Jährigen), die Qualifizierung der Hilfskräfte sowie räumliche Qualitätsverbesserungen wie die Errichtung eines Bewegungsraums investiert werden.

Ein EU-Report hält fest: »Wird nicht bereits im frühen Kindesalter genügend in die Bildung investiert, fallen durch – weniger effiziente – Fördermaßnahmen in späteren Lebensphasen weitaus höhere Kosten an.« Was ist Ihre Meinung dazu?

Ich bin der Meinung, dass eine gut funktionierende Elementarpädagogik der erste wichtige Baustein für ein gutes Bildungssystem in Österreich ist. Deswegen setzt diese Bundesregierung einen massiven Schwerpunkt in den quantitativen und qualitativen Ausbau der Kinderbetreuung in Österreich und stellt dafür 350 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren zur Verfügung.

Kindergartenpädagogik liegt vorwiegend in weiblicher Hand. Wie kann man mehr Männer dazu bewegen, diesen Beruf auszuüben?

Mir ist es ein großes Anliegen, mehr Männer für den Berufsstand des Kindergartenpädagogens zu begeistern, weil ich überzeugt davon bin, dass gemischt-geschlechtliche Teams gut für die Kinder sind. Natürlich kann man keinen Mann dazu zwingen, diesen Beruf zu ergreifen, jedoch fördern wir erstmals mit Bundesmitteln Maßnahmen und Projekte, die sich mit diesem Themenfeld beschäftigen. Bis Ende 2017 stellen wir jährlich € 450.000,- (€ 50.000,- pro Bundesland) zur Verfügung. Auch der Einsatz von Zivildienern als Helfer in elementarpädagogischen Einrichtungen trägt dazu bei, dass Männer ihre Talente erkennen und sich für den Beruf interessieren.

Sie haben das zweite verpflichtende Kindergartenjahr angekündigt. Wann wird es eingeführt?

Es kommt ab 2015 für all jene verpflichtend, die es laut Sprachstandfeststellung brauchen.

 

Interview: Susanne Wolf
Foto: Christian Jungwirth, Monika Nutz