Lernen fürs Leben – Integration

22. 01. 2015, Mitreden!

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit Migrations­hintergrund wächst. Schulen hinken jedoch dieser Entwicklung hinterher. Lehrer_­innen wünschen sich mehr Ausbildung in diesem Bereich – und sehen dabei die größten Chancen für Kinder. 

Laut Statistik haben 1,6 Millionen Menschen in Österreich Migrationshintergrund, das sind 18% der Bevölkerung. 19,3% der Schüler_innen in Österreich hatten im Schuljahr 2011/12 eine andere Muttersprache als Deutsch.

Die wachsende Zahl an Schüler_innen mit Migrationshintergrund stellt Österreichs Schulen vor neue Herausforderungen. Dass diese sich jedoch kaum auf die Migrationsgesellschaft eingestellt hätten, kritisieren Experten wie Bildungsforscher Stefan Hopmann. »Es geht hier in erster Linie nicht um ein sprachliches, sondern um ein soziales Problem, da viele dieser Schüler aus schwierigen Verhältnissen stammen«, erklärt Hopmann. »Die Frage, die sich stellt, ist: Wie geht man mit diesen Zielgruppen um?« Kritiker_innen bemängeln auch die fehlende Ausbildung zukünftiger Lehrer_innen: »An den Pädagogischen Hochschulen wird Interkulturelles Lernen nur als Wahlpflichtfach angeboten«, meint etwa Manfred Pinterits, im Wiener Stadtschulrat zuständig für Kinder mit Migrationshintergrund und Interkulturelles Lernen. »Die Ausbildung ist in dieser Hinsicht absolut unzureichend.« Solche Ausbildungen stehen auf der Wunschliste der Lehrer_innen ganz oben (siehe Seite 11).

Wo Integration gelingt. Dass es auch anders geht, beweisen Schulen wie die Ganztags-Volksschule am Wiener Nordbahnhofgelände: Auf zwei Klassen kommt hier eine Begleitlehrerin, die Sprachförderunterricht in Deutsch anbietet. »Kolleginnen haben mir erzählt, dass es in anderen Schulen nur ein oder zwei Begleitlehrer für die gesamte Schule gibt«, erzählt eine Lehrerin. In manchen Klassen benötigt jedoch nur ein Bruchteil der Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache den Sprachförderunterricht – das widerlegt das Vorurteil, das sprachliche Niveau würde durch Kinder mit Migrationshintergrund sinken. Schuldirektorin Ingrid Fischer ist überzeugt: »Wenn Kinder den Umgang mit anderen Kulturen lernen, können sie später auch etwas in unserer Gesellschaft verändern und Vorurteilen entgegenwirken.«

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