Kopfgeld für die Universitäten

22. 01. 2015, Mitreden!

Beschlossen, nie umgesetzt – und noch immer heiß diskutiert: Studienplatzfinanzierung bedeutet, die Budgets der Universitäten auf Student_innenzahlen umzulegen. Das Ziel: mehr Qualität. Die Angst: Zugangsbeschränkungen und zu wenig Geld für kleine Fachrichtungen.

Vor zwei Jahren war die Studienplatzfinanzierung für den damaligen Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle noch eine »Koalitionsbedingung«. Dann wurde das Wissenschaftsministerium pauschal wegverhandelt und die Studienplatzfinanzierung wurde zwar beschlossen, aber nie umgesetzt.  

Eine Studie des Austrian Institute of Technology (AIT) untersuchte 2011 mehrere Studienplatzfinanzierungs-Modelle. Die Ergebnisse: Sie reduzieren die staatlichen Ausgaben nicht, aber sie helfen, diese gezielter einzusetzen und die Bedingungen für Lehrende und Student_innen zu verbessern. Dazu sind aber entweder Zugangsbeschränkungen oder zusätzliche Budgetquellen notwendig. In Finnland, wo die Studienplatzfinanzierung ohne zusätzliche Mittel eingeführt wurde, müssen bis zu 30% der Student_innen ein Jahr Wartezeit in Kauf nehmen. In den Niederlanden sind zusätzliche Mittel flexibler abhängig von den Student_innenzahlen abrufbar – hier gibt es kaum Probleme. In Großbritannien, wo Studiengebühren eine relevante Finanzierungsquelle bilden, schneiden Universitäten im Hinblick auf die Betreuungsqualität am besten ab. – Auch wenn der politische Boden für solche Veränderungen vielerorts noch nicht aufbereitet ist, sei die Studienplatzfinanzierung das geeignetste Mittel, um die Betreuungsqualität zu verbessern, so die Studie. Allerdings nur, wenn zusätzliche flexible Budgets den Universitäten eine aktuelle Planung erlauben. Mögliche Quellen sind staatliche Gelder, private Finanzierungen oder Studiengebühren. 

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Niki Scherak

Niki Scherak

NEOS Verfassungssprecher

Heuer feiert die Universität Wien ihr 650-jähriges Bestehen. Die Universität Wien gehört damit zu den ältesten Universitäten der Welt. In ihrer jahrhundertelangen Geschichte gingen Nobelpreisträger_innen und Spitzenforscher_innen ein und aus. Es wird Zeit, dass wir uns in Österreich wieder unserer glorreichen Geschichte in Sachen Wissenschaft und Forschung bewusst werden, denn wie wir momentan mit diesen beiden Zukunftsthemen in Österreich umgehen, das ist unter aller Kritik.

Ganz konkret drückt sich dies auch in der Unterfinanzierung der heimischen Hochschulen aus. Um in einer international vernetzten Wissensgesellschaft erfolgreich sein zu können, ­bedarf es herausragender Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Dazu gehört die notwendige finanzielle Unterstützung.

Es reicht nicht, beim Uni-Budget nur die Inflation abzugelten, sondern es bedarf zusätzlicher Mittel.

Investitionen in Forschung und Wissenschaft sind Investitionen in die Zukunft. Dessen müssen wir uns stärker bewusst werden, denn in einer Wissensgesellschaft ist Wissen die Grundlage für Erfolg.​ Durch die Umsetzung und den Ausbau der Studienplatzfinanzierung, eine Vereinfachung des Stiftungsrechts, um den Anteil privater Mittel zu steigern, und einen Beitrag der Studierenden, vorfinanziert durch ein staatliches Bildungsdarlehen, bringen wir die österreichischen Hochschulen in Position für die Zukunft!​