Kleine Menschen, ganze Rechte

22. 01. 2015, Mitreden!

Kinderrechte sind Teil der Verfassung. Allerdings finden sich dort nur Teile der UN-Kinderrechtskonvention wieder – und das wirkt sich vor allem in der Bildungspolitik für die Kleinsten aus. 

Österreichs Jurist_innen wissen zu wenig über Kinderrechte. Das ist einer von vielen Kritikpunkten, die der UN-Kinderrechtsausschuss in seinem aktuellen Bericht für Österreich festhält. Weitere Punkte: Das Recht auf politische Beteiligung soll erweitert werden, das Gewaltverbot in der Erziehung sei noch nicht allen Eltern selbstverständlich und auch die komplizierte Zuständigkeitslage in der Frühkinderziehung gefährde das Recht auf bestmögliche Bildung und Entfaltung.

Österreich hat die UN-Kinderrechtskonvention zwar schon 1990 ratifiziert, allerdings nur in Form eines einfachen Gesetzes mit zahlreichen Vorbehalten. 2011 wurden Kinderrechte in den Verfassungsrang erhoben. Dabei wurden allerdings viele Grundsätze der Konvention nicht berücksichtigt, kritisiert die UN in ihrem Bericht für 2012 – auch noch nach einem Jahr Kinderrechte in der Verfassung. Diese zögerliche Umsetzung hat für Kinderrechtler_innen Methode: Kinder werden in Österreich nicht als Träger_innen eigener Rechte gesehen, sondern als Anhängsel, für die die Familie nach ihren eigenen Regeln mitentscheidet. Diese Einstellung ist mit ein Grund, warum in Kindergärten nicht die Bildung und Entwicklung des Kindes als Person, sondern die Betreuung als Dienstleistung für die Familie im Vordergrund steht. Die Plattform Educare, eine Arbeitsgemeinschaft von Bildungsexpert_innen, kritisierte Kindergärten jüngst in einer Aussendung sogar als Gefahr für die Kinderrechte auf Bildung und Entfaltung. Die größten Kritikpunkte dabei: zu viele Kinder pro Betreuer_in, fehlende Weiterbildung und Supervision und fehlende Information über Kinderrechte in der Ausbildung von Frühpädagog_innen.

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