Interview: »Mehr Anreize für Investitionen schaffen«

18. 09. 2015, Mitreden!

Daniel Horak ist Geschäftsführer von ­Conda, der ersten Crowdinvesting-Plattform im deutschsprachigen Raum. Seit März 2013 wurden 25 »equity based Crowdfunding«-Projekte erfolgreich abgeschlossen. Durch die Beteiligung von rund 2.000 Crowd-Investor_innen konnten über 2,8 Millionen Euro finanziert werden.

Interview: Bastian Kellhofer

MUT: Haben bei euch die Sektkorken geknallt, als das neue Crowdfunding-Gesetz verabschiedet wurde?

daniel_horakDaniel Horak: Ja, es ist ein wichtiger Schritt für uns. Wir arbeiten endlich in einem rechtssicheren Raum, sind FMA-geprüft und können Verantwortlichkeiten, Rechte und Pflichten der Investoren und Unternehmer endlich genau definieren. Das Gesetz katapultiert uns in eine neue Sphäre.

Weshalb ist Crowdfunding so ein wichtiges Vehikel geworden?

Wir haben in unseren Breitengraden einen sehr bankenlastigen Wirtschaftsraum geschaffen. Allerdings wurden deren Möglichkeiten durch Basel II und III deutlich beschnitten. Die Banken wägen Kreditvergaben sehr genau ab und viele Start-Ups und KMU bekommen kein Geld von ihren Instituten. Dort setzen wir an. Wir beschaffen jungen Unternehmen, die zwangsweise hochriskante Unterfangen sind, Eigenkapital aus der breiten Masse. In der Praxis kommt das Geld meist von Kunden, Unterstützern und Lieferanten, die an das Projekt glauben. So entsteht ein spannender Wertschöpfungskreislauf. Crowdfunding schafft auch ein neues Bewusstsein für Regionalität. Die Menschen legen ihr Geld gerne bei Projekten an, deren Macher sie gut kennen. Das schafft eine Intimität, Transparenz und ein Grundvertrauen, das man aus dem Bankgeschäft so nicht gewohnt ist.

Welches Potenzial verortet ihr im Crowdfunding?

Das neue Gesetz ist eine riesige Chance für die ganze Branche. Durch die Anhebung der Prospektpflicht können jetzt neben den hochriskanten Start-Ups auch klein- und mittelständische Unternehmen, die Geld für Wachstum oder die Anschaffung neuer Maschinen brauchen, bei uns aktiv werden. Das eröffnet vielen ganz neue Möglichkeiten. Wir haben bislang 2,8 Millionen Euro für 29 Projekte eingesammelt. 1,8 Millionen alleine in diesem Jahr. Da sieht man unser enormes Wachstumspotenzial.
Aber das Risiko von Ausfällen ist schon groß. Warnt ihr die Geldgeber vor dem Risiko?
Wir haben einen Investitionsleitfaden entwickelt, der haargenau auflistet, welche Gefahren ein Hochrisiko-Investment mit sich bringt. Als Faustregel sollte man beachten, dass man sein Portfolio breit streut und nur Geld verwendet, das man auf der hohen Kante hat.

Gibt es am Gesetz also nichts auszusetzen?

Das Alternativfinanzierungsgesetz selbst ist ein guter Mittelweg. Aber natürlich wünschen wir uns, dass generell mehr steuerliche Anreize für Investitionen in die Realwirtschaft geschaffen werden.

 

(Ilustration: Monkik/shutterstock.com)