Flipping the Classroom

22. 01. 2015, Mitreden!

Warum sollen wir eigentlich dort, wo wir mit anderen reden, von ihnen lernen oder ihnen helfen könnten, nur stillsitzen und zuhören? Einige Lehrer_innen gehen andere Wege: Basis­wissen wird mit digitalen Hilfsmitteln zu Hause gelernt und in der Klasse besprochen, geübt und angewendet. 

Schülerinnen und Schüler erlernen den Stoff online und nutzen die Zeit mit den Lehrenden dazu, ihn anzuwenden. Die Idee, Frontalvorträge auszulagern und die Unterrichtsstunden für interaktive Arbeit zu nutzen, ist so simpel, dass sich so manche_r fragt, warum sie nicht häufiger eingesetzt wird. »Flipping the classroom« wird im deutschsprachigen Raum stark von Christian Spannagel, Professor für Mathematik und Mathematikdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, propagiert. Margit Pollek, Koordinatorin des Wiener eLearning Clusters und selbst Mathematiklehrerin an der HLW 10, hat sein Konzept für ihren Unterricht modifiziert und viel positives Feedback dafür bekommen. Vor allem schwächere Schülerinnen und Schüler waren in der Lage, die in den Online-Videos gestellten Aufgaben zu lösen. Der Hauptgrund für diese Erfolgserlebnisse liegt schlichtweg darin, dass sie »Nachhilfelehrer immer bei sich« haben. 

Die Produktion von Lernvideos, die auch die Funktion von Nachhilfelehrer_innen erfüllen können, ist allerdings recht aufwendig. Pollek verwendet PowerPoint-Präsentationen als Basis und reichert diese mit gesprochenen Erklärungen und handschriftlichen Einträgen an. Microsoft hat dafür ein Plug-in entwickelt, mit dem die multimediale Präsentation als Video abgespeichert werden kann. Publiziert wird es dann auf der Plattform Office Mix als »offener« Content, ganz im Sinne der freien Bildungsressourcen (OER). Das ist noch immer viel Arbeit, aber auf solchen Plattformen können sich Communities von Lehrenden bilden, die die Inhalte für weitere »flipped classrooms« nutzen. Damit wird auch dem Problem entgegengewirkt, dass es keine unabhängige Evaluation für E-Learning-Inhalte gibt und die finanziellen Mittel für die professionelle Herstellung fehlen. Lehrende evaluieren und erweitern ihre Inhalte gegenseitig. Die positiven Erfahrungen, die Margit Pollek, ihr oberösterreichischer Kollege Kurt Söser oder der Salzburger Englischlehrer Walter Steinkellner mit »flipped classrooms« gesammelt haben, sprechen aus ihrer Sicht dafür, den Ansatz vor allem für die Vermittlung von Basiswissen in den Oberstufen weiterzuverfolgen. Für Jüngere ist diese Art des eigenständigen Erarbeitens von Inhalten weniger geeignet.

Links

Christian Spannagel
ZUM-Wiki
eLearning Cluster
HLW Wien 10
Microsoft Office Mix

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