Brachland Bildung

23. 01. 2015, Mitreden!

Sorgenkind Schule. In Österreichs Schulen bewegt sich wenig. Neue Konzepte finden nur selten ihren Weg in die Lehrpläne. Indes klagen Lehrer_innen über Belastungen, und Schüler_innen sehen wenig Nutzen in der Schule.

Redaktion: Susanne Wolf, Werner Reiter
Illustration: Philipp Comarella/agentazur.com

So macht das keinen Spaß. Lehrer_innen klagen über hohe Belastungen und Burnout-Gefahr, Expert_innen überschlagen sich mit Reformideen, Schüler_innen vermissen ihr Mitspracherecht – und dann bleibt doch alles beim Alten. Schule ist zum Synonym für Probleme geworden.

Ein paar Beispiele: Die ARGE Burn-out attestierte in einer vergangenen Oktober im Auftrag der Pflichtschullehrer_innengewerkschaft erstellten Studie zehn Prozent der Lehrer_innen erhebliches Burnout-Risiko, weitere 47 % seien belastet. Häufigste Ursache für diese Belastungen: 55 % der Lehrer_innen werden im Unterricht häufig gestört und wünschen sich unterstützendes Personal wie Psycholog_innen oder Sozialarbeiter_innen.

Was macht guten Unterricht aus? Der Schule geht es also nicht gut. Fraglich ist allerdings, was guten Unterricht überhaupt ausmacht. Dabei sind sich laut der TALIS-Befragung auch die, die es wissen sollten, keineswegs einig: 65 % der Direktorinnen und Direktoren halten das Verhältnis von Lehrenden zur Klasse für wichtig, dem stimmen aber nur 47 % der Lehrer_innen zu. Für 48 % der Schulleiter_innen sind innovative Lehrmethoden ein Qualitätskriterium – aber nur für 25 % der Lehrenden. Und die größte Differenz findet sich im Umgang mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen: 36 % der Schulleiter_innen, aber nur 15 % der Lehrerinnen und Lehrer sehen hier ein Qualitätsmerkmal.

In der politischen Diskussion wird weniger über Unterrichtsqualität als über Organisationsformen geredet: Gesamtschule gegen Spezialisierung, so lautet der Diskussionsdauerbrenner. Einigkeit besteht darüber, dass das Bildungssystem durchlässig sein soll. Das bedeutet, es soll immer möglich sein, weitere Bildungswege einzuschlagen. Unterschiedlich sind aber die Lösungsansätze: Eine Studie des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung (ÖIBF) empfahl 2012 die »Optimierung bestehender Möglichkeiten« anstelle neuer Bildungsschienen. So solle etwa ein Meisterabschluss auch zum Universitätsstudium berechtigen.

Ein Jahr später kam eine Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (IBW) zu dem Ergebnis, dass frühe Differenzierung schnell zu größeren Leistungsunterschieden führt, bei Gesamtschulen dagegen keine Absenkung des Niveaus festzustellen ist. Die wichtigsten Bedingungen für sinnvolles Lernen seien aber der Stellenwert von Leistung und eine Professionalisierung der Lehrer_innen. Damit fühlen sich Lehrer_innen alleingelassen. Der Nationale Bildungsbericht 2012 stellt »große Skepsis« der Lehrer_innen gegenüber Ideen zur Weiterentwicklung des Unterrichts fest. Und räumt gleichzeitig ein, dass die Kriterien zur Erfolgsmessung dieser Ideen fehlen. Umgekehrt gilt: Für neue Konzepte der Lehrer_innen und Schulen selbst gibt es keinen Spielraum. Schulen haben kaum Möglichkeiten, eigene Wege zu gehen oder sich weiterzuentwickeln: Es fehlt an (Unterrichts-)Zeit, Geld und Gestaltungsmöglichkeiten.

Diejenigen schließlich, die es am meisten betrifft, sind auch nicht zufrieden: Im Rahmen der PISA-Studien wurden Schüler_innen nach ihrem »erlebten Nutzen von Schule« befragt. Oberstufenschüler_innen waren nur knapp im grünen Bereich – mit Ausnahme der AHS-Schüler_innen: Diese sehen in Schule eher wenig Nutzen …

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Matthias Strolz

Matthias Strolz

NEOS Bildungssprecher

Im Jänner hat Bildungsminis­terin Gabriele Heinisch-Hosek die Bildungs­sprecher_innen des Parlaments zum Fact-Finding in Sachen Bildung in die Niederlande geladen. Was wir gesehen haben, bestätigt die NEOS-Pläne für eine umfassende Bildungs­reform: Echte Schulautonomie führt zu guten Lernergebnissen, denn sie stärkt die gestalterischen und konstruktiven Kräfte, und sie nützt den Wettbewerb der guten Ideen für vielfältige, selbst­bewusste Schulen. Das Ziel von NEOS ist – wie in den Nieder­landen – die mündige Schule. Ein Schulsystem, das sich nach den Talenten und Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler richtet. Die Politik gibt Qualitätsziele vor – die Mittlere Reife, die Lernergebnisse in Kernbereichen definiert. Wie die Schulen diese Ziele erreichen, liegt in ihrer pädagogischen, finanziellen und personellen Autonomie. Nur so ist eine echte Bildungswende von unten möglich. Schülerinnen und Schüler bzw. ihre Eltern können ihre Schule frei wählen, es gibt kein Schulgeld. Eine kriterienbezogene Finanzierungskomponente für jeden Schulstandort entlang des Bildungshintergrunds der Eltern sorgt für soziale Durchmischung. Nach 30 Jahren Stellungskampf zwischen Rot und Schwarz ist es Zeit für eine ­Umsetzungsstrategie zur Schulautonomie. Parallel dazu können Pionierschulen eingerichtet werden, um erste Erfahrungen mit der dreifachen Autonomie zu sammeln. Die Niederlande zeigen vor, wie’s besser geht – nehmen wir uns ein Beispiel.

  • mag. martin bucher

    Super. Wichtig ist es sich objektiv zu informieren