Auf dem Tablet serviert

22. 01. 2015, Mitreden!

Die Idee, den Lernstoff der gesamten Schullaufbahn auf einem Tablet abzubilden, ist verlockend. Günstiger als Schul­bücher und leichter als dicke Schultaschen. Allerdings wirft das auch die Frage auf, wer die Inhalte kontrolliert – und ­Einblick in die Fortschritte der Schüler_­innen bekommt. 

Die Geschichte wiederholt sich. Vor einigen Jahren waren es die ersten Laptopklassen, die von den Technologieherstellern mit viel PR-Getöse gefeiert wurden. In den Medien finden sich heute annähernd gleichlautende Artikel. Einziger Unterschied: Aus den Laptops sind Tablets geworden. Interessant ist allerdings nicht die Hardware, sondern die Software, die im Unterricht eingesetzt wird. Die Bandbreite reicht hier von einzelnen Kursen bis hin zu kompletten Ökosystemen, die alle schulischen Abläufe und Inhalte digital abbilden. »Amplify« ist ein derartiges System, das Lehrer_innen verspricht, ihre Klassen »managen« zu können. Interessanterweise kommt dieses Versprechen von einem Unternehmen, das zu Rupert Murdochs News Corporation gehört – dem größten Medienkonzern der Welt. Ein weiterer Großkonzern, der sich stark im Bildungsbereich engagiert, ist Google. Die »Google Apps for Education« bieten eine Menge kostenloser Werkzeuge, die in der Schule eingesetzt werden können. Und sie machen die jungen Menschen schon sehr früh mit vielen Anwendungen des Unternehmens vertraut. Meral Akin-Hecke, Österreichs Digital Champion im Auftrag der EU-Kommission, sieht das mit gemischten Gefühlen: »Junge Menschen haben heute meist sehr gute Anwenderkenntnisse. Was sie aus meiner Sicht zu wenig lernen, ist die kritische Auseinandersetzung mit den digitalen Tools. Die ist aber die Grundlage dafür, dass sie morgen möglicherweise in der Lage sind, Services zu entwickeln wie diejenigen, die sie heute nutzen. Darauf muss in der Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer viel stärker eingegangen werden.«

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Amplify
Google Apps for Education
Digital Champion

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